AKTUELLES & TERMINE

Am Samstag, 18. November, werde ich im Rahmen der
LITERAARE HERBSTLESE aktuelle Texte lesen.
Um 13 Uhr im Wintergarten der Halle 6 in Thun.


Außerdem dabei: Pe­ter Stamm, Sa­lon Swips, Rasha Ab­bas, Ju­dith Kel­ler, Ma­ria Ur­sprung, so­nOhr, Ro­mana Gan­zoni, Art­link, Io­anna Bou­ra­zo­pou­lou, Baba Lussi, Rot­punkt Ver­lag, Li Mol­let, mi­kro­text, edi­tion ta­berna kri­tika, Sa­lome Guida, Yael Ino­kai, Kin­der­buch­pa­ra­dies, Kia Mann, Si­mon De­ckert, Cul­tu­ree­s­capes, Hart­mut Abend­schein, Text­ki­osk, Ju­lia von Lu­ca­dou, Der ge­sunde Men­schen­ver­sand, Geis­ter im Ge­lände, 
Chris­tos As­te­riou, Jo­hanna Boss­art

Und es gibt Glühwein.

Ich bin nun durch mit meinem Master-Studium. Und zum Abschluss werden wir “Literarisches Schreiben”-Absolventinnen und Absolventen (Mirjam Aggeler, Simon Deckert, Baptiste Gaillard, Salome Guida, Marina Skalova und ich) aus unseren Texten lesen.

Am Freitag, 16. Juni 2017, ab 19:30 Uhr im “Le Singe” (Untergasse 21) in Biel/Bienne. Mit Apéro im Anschluss zum Abschluss.

Dieses Jahr habe ich deutlich mehr Bücher als sonst angefangen und dann wieder weggelegt. Vergleichsweise wenigen konnte ich mich ausdauernd hingeben oder mich von ihnen in den Bann ziehen lassen. Mich zerstreut die politische Lage doch gerade sehr, diese Weltuntergangsstimmung, diese derbe Unvernunft, die mir Angst macht um unsere freie, offene Gesellschaft. Aber ich schweife ab. Also: 2016 vieles wieder beiseite gelegt, aber dennoch auf tolle, bereichernde Werke gestoßen. Allen voran auf jene M. Blechers und auf die (literarischen) Sachbücher “Rückkehr nach Reims” (Didier Eribon) und “Unorthodox” von Deborah Feldman.

Hier die Liste:
Katrin Seddig: Eine Nacht und alles
Irene ist Anfang vierzig und stolpert, kurz nachdem ihre Tochter von zu Hause ausgezogen ist, in eine Affäre. Gleichzeitig lernt sie die junge und traurige Yasemine kennen, die sich als Ersatztochter geradezu anbietet. Und dann taucht auch noch ein Jugendfreund auf, mit dem sie eine grausame Erinnerung teilt. Plötzlich gerät für Irene alles aus den Fugen; sie taumelt zwischen altem und neuem Leben. Vor allem aber ist sie: nie zufrieden. Das hat mich als Leserin manchmal zu dem Gedanken “Jetzt reiß dich doch mal zusammen” verleitet, und gleichzeitig konnte ich diese Grundhaltung sehr gut nachvollziehen. Ein wirklich schönes Buch (auch wenn es mir der Adjektive und Wetterbeschreibungen manchmal zu viele waren), das mir Lust gemacht hat, mehr von Katrin Seddig zu lesen. (Erschienen bei Rowohlt.)

M. Blecher: Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit
Wahrscheinlich lautete sein Vorname Max. Was man genauer weiß: Der Rumäne, der 1938 an Knochentuberkulose starb und nicht einmal 30 Jahre alt wurde, hatte ein unglaubliches schriftstellerisches Talent. Ich hatte bislang noch nie von ihm gehört – umso froher bin ich, dass ich in diesem Jahr auf Blechers Werk gestoßen bin.
“Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit” ist ein Entwicklungsroman über einen Jugendlichen. Und wenn jemand ein Beispiel für bildhafte Sprache sucht, dann wird er in diesem Buch fündig. Ob Blecher nun den Klang einer einzelnen Flöte als “metallenen Faden” beschreibt oder das Fieberthermometer, das “wie eine dünne Eidechse unter die Achsel” gleitet, oder die weichen Teppiche, die “alle vereinsamten Echos der Etage zum Verstummen brachten” – ich finde diese Sprache, diese Bilder über die Maßen beeindruckend. Hätte ich nichts über Blecher gewusst, ich wäre davon ausgegangen, der Text stamme von einem deutlich älteren Autor, nicht aber von einem, der damals 27 war. Große Leseempfehlung! (Erschienen bei Suhrkamp.)

M. Blecher: Vernarbte Herzen
“Vernarbte Herzen” erzählt die Geschichte des Chemie-Studenten Emanuel, der an Knochentuberkulose erkrankt und ein Jahr lang in einem französischen Sanatorium am Atlantik Heilung sucht. Sein Oberkörper ist eingegipst; er verbringt diese Zeit liegend, wie die meisten anderen Sanatoriums-Patienten auch. Der Roman ist stark autobiographisch geprägt, was durch die Genauigkeit der Beschreibung kaum verborgen bleibt.
Habe ich “Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit” eher als einen Gedankenstrom gelesen, so ist “Vernarbte Herzen” vielmehr ein klassisch gebauter Roman mit geschlossener Handlung. Auch dieses M.-Blecher-Buch hat mich wieder sehr in seinen Bann gezogen. (Erschienen bei Suhrkamp.)
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Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt, das Kindergeld erhöht, und das Internet macht sowieso alles anders. War also höchste Zeit für eine Aktualisierung: Die überarbeitete Neuauflage meines Ratgebers “18! Was du darfst, was du musst, was du kannst” ist jetzt draußen. Falls also jemand ein Geschenk für einen nun 18-Jährigen braucht…

Das ist nun die dritte, komplett überarbeitete und erweiterte Neuausgabe.

Ich habe das erste Mal aus meinem Roman-Manuskript vorgelesen. Und zwar in der Alten Schreinerei des Klosters Rheinau. Anders als die Bilder unten vermuten lassen, waren sogar Leute da.
Der Kanton Zürich unterstützt mein Schreiben mit meinem „Werkbeitrag“. Im Rahmen dessen läuft gerade eine kleine Lesereise. Ich kam in Rheinau zum Zug, zusammen mit Barbara Stengl, die auch gerade an einem Roman arbeitet, und dem Lyriker Thilo Krause. Er wurde für seinen wunderbaren Gedichtband “Um die Dinge ganz zu lassen” geehrt. Eine kleine Laudatio hielt jeweils Irmgard Wirtz Eybl, Leiterin des Schweizerischen Literaturarchivs. Moderiert wurde der Abend von Hazel Brugger, musikalisch begleitet von Anna Trauffer mit Kontrabass, Glasorgel, Spieluhr und anderen Dingen, wovon eines aussah wie ein altes Modem.

Ich habe das Gefühl, dieses Jahr ist an mir vorbeigerauscht, ohne dass ich es nur einmal hätte greifen können. Aber ich stecke ja auch mitten in der “Rush Hour des Lebens”. Nur während ich mir diese kleine Leseliste anschaue, erscheint mir 2014 dann doch plötzlich recht lang. Bei den ersten Büchern dieser Aufzählung kommt es mir vor, als hätte ich sie vor Jahren gelesen, nicht erst vor gut zwölf Monaten.

Seit Wochen liegt übrigens Thomas Manns “Der Zauberberg” auf meinem Nachttisch. Ich bin bald in der Mitte des 1000-Seiten-Wälzers angelangt und brauche jetzt mal etwas Abwechslung. Deshalb habe ich mir für die Weihnachtsfeiertage einen Titel vorgenommen, der sich wahrscheinlich rascher “weglesen” lässt, bevor ich mich 2015 wieder mit Hans Castorp und seiner Kamelhaardecke in die Liegekur begebe.

Das beste Buch, das ich 2014 in den Händen hielt, war übrigens Julie Otsukas “Wovon wir träumten”. Hier also meine diesjährige Lektüreliste: (weiterlesen…)

Wertende Blicke. Stress, Erschöpfung. Geht alles gar nicht. Wird nicht gerade ein bisschen zu viel geklagt über die Belastungen, denen berufstätige Eltern ausgesetzt sind? Darüber habe ich mir für Brigitte.de ein paar Gedanken gemacht:

Ein kurzes Inne- und Festhalten, welche Bücher mich 2013 begleitet haben. Das Beste kam übrigens zum Schluss.

Stevan Paul: “Schlaraffenland”
Rezepte und schöne Schmökergeschichten vom Koch und Autor Stevan Paul. “Schlaraffenland” wollte ich lesen, weil ich die Ereignisse, die in einer (“Tri Tra Truffola”) der 15 Erzählungen mündeten, am Rande mitbekommen habe. Und weil es einfach ein schickes Buch ist. (Erschienen im Mairisch-Verlag.)

Katharina Hagena:
“Vom Schlafen und Verschwinden”

Für Katharina Hagenas Bücher spricht: Sie haben die schönsten Cover. Schon “Der Geschmack von Apfelkernen” hätte man rahmen und aufhängen können, mit “Vom Schlafen und Verschwinden” ist es dasselbe. Ich habe es wirklich gerne gelesen, Hagenas Sprache hatte zunächst eine große Sogwirkung auf mich. Mit der Zeit wurden es mir dann aber zu viele Andeutung dieses großen, dunklen Geheimnisses, um das es geht. Trotzdem: gerne gelesen. (Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.)

Julian Barnes: “Vom Ende einer Geschichte”
Fand ich großartig! Tony Webster, ein alternder Mann, lässt sein Leben Revue passieren und merkt, dass einige Dinge nicht so waren, wie er sie eingeschätzt hatte. Ich als Leserin habe gemeinsam mit Webster wild spekuliert, wie diese, seine Geschichte nun wirklich gewesen sein könnte. Es klärt sich fast alles, aber ein bisschen bleibt noch im Ungefähren. Deshalb hat das Buch bei mir sehr lange nachgewirkt. Ich war versucht, es grad nochmal zu lesen, nahm dann aber doch das nächste vom Stapel. (Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.)
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Gerade ist das Zeit-Heft Schule & Familie erschienen; es kommt einmal im Jahr heraus. In der aktuellen Ausgabe gebe ich in einem zugehörigen Beileger 20 Medienerziehungs-Tipps für den Umgang von Kindern mit digitalen Medien. Wen das interessiert, der kann sich das Ganze hier bestellen oder nach diesem Heft am Kiosk suchen:

Ich bin Jahrgang 1982, war sieben, als die Mauer fiel und erinnere mich kaum an die DDR. Ein wenig an das Bananenschlangestehen (ich immer “einzeln” hinter meiner Mutter, damit jeder von uns ein Kilo kriegte), an das Pioniertuch (ich gehöre zum letzten Jahrgang, der es noch bekam), an die bunten Eierbecher aus Plasteplastik (die ich ganz vergessen hatte, bis ich sie auf einer Sprachreise in Russland irgendwann in den “Nuller Jahren” wiedersah). Und ich weiß noch, dass ich zur Schuleinführung – im September 1989 – unbedingt den blauen Pionierrock haben wollte; die Bluse bekam man wohl irgendwie so. Ich wollte also diesen Rock, und meine Mutter sagte: “Den brauchst Du sowieso nicht mehr.” Ich hab diesen Satz damals nicht verstanden, aber er ist mir so bedeutungsvoll vorgekommen, dass er sich in meinem Unterbewusstsein festsetzte und Jahre später wieder hochkam.

Die Wende hat also in der Luft gelegen, ich habe davon nichts mitbekommen – nur diesen Satz.

Ich bin aufgewachsen in Freiheit. Ich konnte studieren, was ich wollte, ich konnte und kann ins Ausland reisen, ja, ich kann da sogar leben – und das zusammen mit einem Wessi.

Ich glaube, für fast alle aus meiner Generation sind all diese Freiheiten Alltag. Für mich meistens auch. Aber manchmal, wenn ich mit dem Zug quer durch Deutschland fahre, und an Tagen wie heute, wird mir bewusst, dass sie alles andere als selbstverständlich sind. Vor nur 30 Jahren waren sie es längst noch nicht. Ich bin dankbar.

Hinweis: Dieser Beitrag ist auch auf der Journalisten-Plattform Journal 21 erschienen.