AKTUELLES & TERMINE

Gerade habe ich nachgezählt: Auf meiner diesjährigen Leseliste stehen genauso viele Bücher wie auf der von 2016. 2017 ist es allerdings seltener vorgekommen, dass ich ein Buch angefangen und wieder weggelegt habe.
Drei Bücher, die ich besonders empfehlen möchte: “Kukolka” von Lana Lux, “Treideln” von Juli Zeh und der von Matthias Jügler herausgegebene Sammelband “Wie wir leben wollen. Texte für Solidarität und Freiheit”.
“Kukolka”, traurig, spannend und berührend, habe ich verschlungen, wie es so schön heißt. “Treideln” hat mich genau in der richtigen Schreib- und Lebensphase erreicht. Und “Wie wir leben wollen” ist ein Buch, für dessen Existenz ich schlichtweg dankbar bin.

Hier nun die Liste: (weiterlesen…)

Lektüre für die Wintertage. Die neue Ausgabe der Literaturzeitschrift Entwürfe ist gerade erschienen. No. 84. Sie widmet sich der Schweizer Lyrik. Und es ist auch ein Beitrag von mir dabei.

Mit einem spektakulären Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau liegt das Landgut Sparrenberg am Südhang des Gubrist über dem Limmattal. Der Garten wird gerahmt von italienisch anmutenden Steinsäulen. In der Mitte streckt ein Magnolienbaum seine Arme aus, Salbei wuchert im Kräuterbeet, ein Springbrunnen plätschert, drei Kaninchen hoppeln durch ihren weiträumigen Stall. Lediglich der Fluglärm schafft es ab und an, die Idylle zu zerschneiden.

Hier oben logieren vier Senioren in einer noblen Wohngemeinschaft.
Ihren Alltag habe ich für die November-Ausgabe des NZZ-Folio beschrieben.
Die wunderschönen Fotos im Heft stammen von Suzanne Schwiertz, Zürich.

Am Samstag, 18. November, werde ich im Rahmen der
LITERAARE HERBSTLESE aktuelle Texte lesen.
Um 13 Uhr im Wintergarten der Halle 6 in Thun.


Außerdem dabei: Pe­ter Stamm, Sa­lon Swips, Rasha Ab­bas, Ju­dith Kel­ler, Ma­ria Ur­sprung, so­nOhr, Ro­mana Gan­zoni, Art­link, Io­anna Bou­ra­zo­pou­lou, Baba Lussi, Rot­punkt Ver­lag, Li Mol­let, mi­kro­text, edi­tion ta­berna kri­tika, Sa­lome Guida, Yael Ino­kai, Kin­der­buch­pa­ra­dies, Kia Mann, Si­mon De­ckert, Cul­tu­ree­s­capes, Hart­mut Abend­schein, Text­ki­osk, Ju­lia von Lu­ca­dou, Der ge­sunde Men­schen­ver­sand, Geis­ter im Ge­lände, 
Chris­tos As­te­riou, Jo­hanna Boss­art

Und es gibt Glühwein.

Ich bin nun durch mit meinem Master-Studium. Und zum Abschluss werden wir “Literarisches Schreiben”-Absolventinnen und Absolventen (Mirjam Aggeler, Simon Deckert, Baptiste Gaillard, Salome Guida, Marina Skalova und ich) aus unseren Texten lesen.

Am Freitag, 16. Juni 2017, ab 19:30 Uhr im “Le Singe” (Untergasse 21) in Biel/Bienne. Mit Apéro im Anschluss zum Abschluss.

Dieses Jahr habe ich deutlich mehr Bücher als sonst angefangen und dann wieder weggelegt. Vergleichsweise wenigen konnte ich mich ausdauernd hingeben oder mich von ihnen in den Bann ziehen lassen. Mich zerstreut die politische Lage doch gerade sehr, diese Weltuntergangsstimmung, diese derbe Unvernunft, die mir Angst macht um unsere freie, offene Gesellschaft. Aber ich schweife ab. Also: 2016 vieles wieder beiseite gelegt, aber dennoch auf tolle, bereichernde Werke gestoßen. Allen voran auf jene M. Blechers und auf die (literarischen) Sachbücher “Rückkehr nach Reims” (Didier Eribon) und “Unorthodox” von Deborah Feldman.

Hier die Liste:
Katrin Seddig: Eine Nacht und alles
Irene ist Anfang vierzig und stolpert, kurz nachdem ihre Tochter von zu Hause ausgezogen ist, in eine Affäre. Gleichzeitig lernt sie die junge und traurige Yasemine kennen, die sich als Ersatztochter geradezu anbietet. Und dann taucht auch noch ein Jugendfreund auf, mit dem sie eine grausame Erinnerung teilt. Plötzlich gerät für Irene alles aus den Fugen; sie taumelt zwischen altem und neuem Leben. Vor allem aber ist sie: nie zufrieden. Das hat mich als Leserin manchmal zu dem Gedanken “Jetzt reiß dich doch mal zusammen” verleitet, und gleichzeitig konnte ich diese Grundhaltung sehr gut nachvollziehen. Ein wirklich schönes Buch (auch wenn es mir der Adjektive und Wetterbeschreibungen manchmal zu viele waren), das mir Lust gemacht hat, mehr von Katrin Seddig zu lesen. (Erschienen bei Rowohlt.)

M. Blecher: Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit
Wahrscheinlich lautete sein Vorname Max. Was man genauer weiß: Der Rumäne, der 1938 an Knochentuberkulose starb und nicht einmal 30 Jahre alt wurde, hatte ein unglaubliches schriftstellerisches Talent. Ich hatte bislang noch nie von ihm gehört – umso froher bin ich, dass ich in diesem Jahr auf Blechers Werk gestoßen bin.
“Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit” ist ein Entwicklungsroman über einen Jugendlichen. Und wenn jemand ein Beispiel für bildhafte Sprache sucht, dann wird er in diesem Buch fündig. Ob Blecher nun den Klang einer einzelnen Flöte als “metallenen Faden” beschreibt oder das Fieberthermometer, das “wie eine dünne Eidechse unter die Achsel” gleitet, oder die weichen Teppiche, die “alle vereinsamten Echos der Etage zum Verstummen brachten” – ich finde diese Sprache, diese Bilder über die Maßen beeindruckend. Hätte ich nichts über Blecher gewusst, ich wäre davon ausgegangen, der Text stamme von einem deutlich älteren Autor, nicht aber von einem, der damals 27 war. Große Leseempfehlung! (Erschienen bei Suhrkamp.)

M. Blecher: Vernarbte Herzen
“Vernarbte Herzen” erzählt die Geschichte des Chemie-Studenten Emanuel, der an Knochentuberkulose erkrankt und ein Jahr lang in einem französischen Sanatorium am Atlantik Heilung sucht. Sein Oberkörper ist eingegipst; er verbringt diese Zeit liegend, wie die meisten anderen Sanatoriums-Patienten auch. Der Roman ist stark autobiographisch geprägt, was durch die Genauigkeit der Beschreibung kaum verborgen bleibt.
Habe ich “Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit” eher als einen Gedankenstrom gelesen, so ist “Vernarbte Herzen” vielmehr ein klassisch gebauter Roman mit geschlossener Handlung. Auch dieses M.-Blecher-Buch hat mich wieder sehr in seinen Bann gezogen. (Erschienen bei Suhrkamp.)
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Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt, das Kindergeld erhöht, und das Internet macht sowieso alles anders. War also höchste Zeit für eine Aktualisierung: Die überarbeitete Neuauflage meines Ratgebers “18! Was du darfst, was du musst, was du kannst” ist jetzt draußen. Falls also jemand ein Geschenk für einen nun 18-Jährigen braucht…

Das ist nun die dritte, komplett überarbeitete und erweiterte Neuausgabe.

Im Dezember denke ich jedes Mal: Unglaublich, wie dieses Jahr wieder an mir vorbeigerauscht ist! Aber wenn ich mir dann meine “Gelesen”-Liste anschaue, die ich immer nebenher führe, merke ich, dass das Jahr doch nicht so kurz und rastlos war, wie es mir erscheint. Denn jedes Buch erinnert mich auch an die Phase, in der ich es gelesen habe: Erkältet auf dem Sofa, im Hotel in Konstanz, im Zelt am Rhein, im Urlaub in den Bergen, im Zug nach Bern, am Spielplatzrand. Ich führe leider kein Tagebuch, aber diese Bücher-Rückschau hilft mir, zumindest ein bisschen in Erinnerung zu behalten, was mich das Jahr über beschäftigt hat.
Also — meine Bücher 2015:

Joël Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Wer einen Schmöker sucht, den er in zwei Tagen weglesen kann, ist mit „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ bestens bedient. Spannend und humorvoll. Ein amerikanischer (Kriminal-)Roman, geschrieben von einem frankophonen Schweizer.
Das Buch hat auch ein paar Schwächen: Etwa die stumpfen Dialoge zwischen dem Schriftsteller Harry Quebert, in dessen Garten nach Jahrzehnten die Leiche seiner damals 15-jährigen Geliebten gefunden wird. Auch hatte das Korrektorat offenbar nicht so viel Zeit, wie es gebraucht hätte, weshalb sich dann Übersetzungsfehler wie „Mund-zu-Mund-Propaganda“ oder „Klient“ statt „Mandant“ darin finden. Das fand ich zwar schade, aber das schmälert meinen Respekt vor Joël Dicker nicht. Ein fesselndes Buch. Es ist mir unbegreiflich, wie man einen Plot so ausgeklügelt konstruieren kann. (Erschienen bei Piper.)
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Ich habe das erste Mal aus meinem Roman-Manuskript vorgelesen. Und zwar in der Alten Schreinerei des Klosters Rheinau. Anders als die Bilder unten vermuten lassen, waren sogar Leute da.
Der Kanton Zürich unterstützt mein Schreiben mit meinem „Werkbeitrag“. Im Rahmen dessen läuft gerade eine kleine Lesereise. Ich kam in Rheinau zum Zug, zusammen mit Barbara Stengl, die auch gerade an einem Roman arbeitet, und dem Lyriker Thilo Krause. Er wurde für seinen wunderbaren Gedichtband “Um die Dinge ganz zu lassen” geehrt. Eine kleine Laudatio hielt jeweils Irmgard Wirtz Eybl, Leiterin des Schweizerischen Literaturarchivs. Moderiert wurde der Abend von Hazel Brugger, musikalisch begleitet von Anna Trauffer mit Kontrabass, Glasorgel, Spieluhr und anderen Dingen, wovon eines aussah wie ein altes Modem.

Ich habe das Gefühl, dieses Jahr ist an mir vorbeigerauscht, ohne dass ich es nur einmal hätte greifen können. Aber ich stecke ja auch mitten in der “Rush Hour des Lebens”. Nur während ich mir diese kleine Leseliste anschaue, erscheint mir 2014 dann doch plötzlich recht lang. Bei den ersten Büchern dieser Aufzählung kommt es mir vor, als hätte ich sie vor Jahren gelesen, nicht erst vor gut zwölf Monaten.

Seit Wochen liegt übrigens Thomas Manns “Der Zauberberg” auf meinem Nachttisch. Ich bin bald in der Mitte des 1000-Seiten-Wälzers angelangt und brauche jetzt mal etwas Abwechslung. Deshalb habe ich mir für die Weihnachtsfeiertage einen Titel vorgenommen, der sich wahrscheinlich rascher “weglesen” lässt, bevor ich mich 2015 wieder mit Hans Castorp und seiner Kamelhaardecke in die Liegekur begebe.

Das beste Buch, das ich 2014 in den Händen hielt, war übrigens Julie Otsukas “Wovon wir träumten”. Hier also meine diesjährige Lektüreliste: (weiterlesen…)