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Ich bin Jahrgang 1982, war sieben, als die Mauer fiel und erinnere mich kaum an die DDR. Ein wenig an das Bananenschlangestehen (ich immer “einzeln” hinter meiner Mutter, damit jeder von uns ein Kilo kriegte), an das Pioniertuch (ich gehöre zum letzten Jahrgang, der es noch bekam), an die bunten Eierbecher aus Plasteplastik (die ich ganz vergessen hatte, bis ich sie auf einer Sprachreise in Russland irgendwann in den “Nuller Jahren” wiedersah). Und ich weiß noch, dass ich zur Schuleinführung – im September 1989 – unbedingt den blauen Pionierrock haben wollte; die Bluse bekam man wohl irgendwie so. Ich wollte also diesen Rock, und meine Mutter sagte: “Den brauchst Du sowieso nicht mehr.” Ich hab diesen Satz damals nicht verstanden, aber er ist mir so bedeutungsvoll vorgekommen, dass er sich in meinem Unterbewusstsein festsetzte und Jahre später wieder hochkam.

Die Wende hat also in der Luft gelegen, ich habe davon nichts mitbekommen – nur diesen Satz.

Ich bin aufgewachsen in Freiheit. Ich konnte studieren, was ich wollte, ich konnte und kann ins Ausland reisen, ja, ich kann da sogar leben – und das zusammen mit einem Wessi.

Ich glaube, für fast alle aus meiner Generation sind all diese Freiheiten Alltag. Für mich meistens auch. Aber manchmal, wenn ich mit dem Zug quer durch Deutschland fahre, und an Tagen wie heute, wird mir bewusst, dass sie alles andere als selbstverständlich sind. Vor nur 30 Jahren waren sie es längst noch nicht. Ich bin dankbar.

Hinweis: Dieser Beitrag ist auch auf der Journalisten-Plattform Journal 21 erschienen.

2 Kommentare

  1. Thomas Seim sagt:

    Schönes Stück… Ausbaufähig! Hoffe, es geht gut? Gruß TS

  2. Thomas sagt:

    Danke!

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